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Compliance · Stoff

Lieferkettengesetz und Stoffherkunft: Was deutsche Einkäufer in Nepal prüfen sollten

Deutschland ist Nepals zweitgrößter Bekleidungsmarkt und wuchs im Fiskaljahr 2082/83 um 15 %. Was das Lieferkettengesetz (LkSG) von deutschen Einkäufern verlangt, wie es einen nepalesischen Lieferanten erreicht, warum die Stoffherkunft zählt, wenn rund 90 % des von Nepal importierten Maschenstoffs aus China stammen, und welche EU-Regeln als Nächstes kommen.

SR Santosh Rijal
Gründer, Trishakti Apparel
Veröffentlicht 5 Min. Lesezeit

Deutschland ist Nepals zweitgrößter Bekleidungsmarkt. Im Fiskaljahr 2082/83 (Mitte Juli 2025 bis Mitte Juli 2026) exportierte Nepal Bekleidung (HS-Kapitel 61 und 62) im Wert von 2,79 Mrd. Rs nach Deutschland, knapp hinter den Vereinigten Staaten mit 2,85 Mrd. Rs, und diese Exporte wuchsen gegenüber dem Vorjahr um 15 %, am schnellsten unter Nepals drei größten Bekleidungsmärkten (Department of Customs, in Rupien gerechnet).

Deutsche Einkäufer stellen uns regelmäßig zwei Fragen. Wer hat das hergestellt, und unter welchen Bedingungen? Und woher kommt der Stoff? Dieser Ratgeber erklärt, warum, was das Gesetz tatsächlich verlangt und welche Nachweise wir liefern. Er ist ein Überblick, keine Rechtsberatung. Zu Zoll, Umsatzsteuer und Etiketten siehe unsere Seite für deutsche Einkäufer.

Das Lieferkettengesetz (LkSG) heute

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt für Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten in Deutschland. Es verlangt menschenrechtliche und umweltbezogene Sorgfalt in ihren Lieferketten: ein Risikomanagement, eine Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen sowie ein Beschwerdeverfahren.

In der Praxis hat sich zweierlei geändert:

  • Berichte. Das BAFA, die Behörde, die das Gesetz durchsetzt, prüft die Jahresberichte der Unternehmen nicht mehr.
  • Ein Änderungsgesetz. Der Regierungsentwurf 21/2474 würde die Berichtspflicht streichen und Bußgelder auf schwere Verstöße beschränken. Er wurde am 16. Januar 2026 im Bundestag beraten und an den Ausschuss überwiesen, und das Portal des Bundesarbeitsministeriums beschrieb ihn im Juni 2026 noch als im parlamentarischen Verfahren.

Keine der beiden Änderungen hebt die Sorgfaltspflichten selbst auf. Ein deutscher Einkäufer im Anwendungsbereich muss seine Lieferanten weiterhin kennen.

Wie das LkSG eine Fabrik in Nepal erreicht

Wir unterliegen nicht dem LkSG. Das BAFA sagt es deutlich: Unternehmen außerhalb des Anwendungsbereichs sind nicht Adressaten von Bußgeldern oder gesetzlichen Verpflichtungen. Die Pflichten erreichen uns über unsere deutschen Kunden, und die Hinweise des BAFA prägen, was diese erfragen:

  • Unmittelbare Zulieferer wie wir sind Teil der regelmäßigen Risikoanalyse des Einkäufers.
  • Mittelbare Zulieferer wie die Strickerei, die Spinnerei und der Baumwollanbau müssen analysiert werden, wenn der Einkäufer substantiierte Kenntnis von einer möglichen Verletzung hat: tatsächliche Anhaltspunkte, etwa aus Beschwerden oder Berichten.
  • Eine schriftliche Zusicherung reicht nicht. Sich allein auf das unterschriebene Versprechen eines Lieferanten zu verlassen, erfüllt die Sorgfaltspflicht nicht von selbst. Der Einkäufer muss weiterhin die Risikoanalyse und gegebenenfalls Präventions- oder Abhilfemaßnahmen durchführen.

Dieser letzte Punkt ist der Grund, warum ein ernsthafter deutscher Einkäufer Nachweise statt einer Unterschrift verlangt.

Was Sie einen nepalesischen Lieferanten fragen sollten, und was wir liefern

  1. Fakten zur Fabrik. Wo die Fabrik liegt, wie viele Menschen dort arbeiten, welche Prozesse im eigenen Haus erfolgen und welche vergeben werden. Wir schneiden zu, nähen, veredeln und verpacken in unserer eigenen Fabrik in Gaindakot, und wir sagen, welche Schritte, etwa Druck oder Stickerei, Partnerbetriebe übernehmen.
  2. Löhne und Arbeitszeiten. Wir zahlen mindestens Nepals gesetzlichen Mindestlohn, seit Juli 2025 NPR 19.550 im Monat, und teilen Lohn- und Arbeitszeitnachweise.
  3. Eine Lieferantenkarte pro Modell. Die Strickerei und ihr Land sowie die Zutatenlieferanten, bevor Sie bestellen.
  4. Zugang für Audits. Ihr Auditor oder ein von Ihnen beauftragter Dritter kann uns besuchen. Außerdem bieten wir Live-Videorundgänge durch die Produktion an.
  5. Klare Antworten. Wir werden Ihnen nicht sagen, dass eine Lieferkette frei von Risiken ist. Wir sagen Ihnen, wo die Risiken in unserer liegen und was wir darüber wissen.

Stoffherkunft: die Frage hinter der Frage

Der meiste in Nepal verarbeitete Maschenstoff wird importiert. Im Fiskaljahr 2082/83 kamen 89,8 % der nepalesischen Importe von Maschenstoffen (nach Wert) aus China und 10,0 % aus Indien (Department of Customs). Bei den meisten in Nepal hergestellten Maschenwaren stammen also der Stoff sowie das Garn und die Baumwolle dahinter von außerhalb Nepals.

Für den EU-Zoll spielt das keine Rolle. Die EU wendet auf Maschenbekleidung aus den am wenigsten entwickelten Ländern die Regel der einstufigen Verarbeitung an: Ein in Nepal zugeschnittenes und genähtes Kleidungsstück ist nepalesisch und gelangt im Rahmen von „Alles außer Waffen“ mit 0 % in die EU, unabhängig von der Herkunft des Stoffs.

Für die Sorgfaltspflicht spielt es eine Rolle, denn die Strickerei, die Spinnerei und die Baumwolle dahinter sind mittelbare Zulieferer im Sinne des LkSG, und ab dem 14. Dezember 2027 darf kein in Zwangsarbeit hergestelltes Produkt in der EU verkauft oder aus ihr ausgeführt werden. Der zollrechtliche Ursprung eines Kleidungsstücks sagt über keinen von ihnen etwas aus.

Was wir dafür tun:

  • Wir nennen die Strickerei, bevor Sie bestellen, mit ihrem Land, für jeden Stoff.
  • Wir führen für jede Stoffpartie die Nachweise zu Strickerei, Garn und Faserherkunft, soweit die Strickerei sie liefert, und teilen sie mit Ihnen.
  • Sie wählen die Stoffquelle: unsere regulären Strickereien, eine von Ihnen benannte Strickerei oder Stoff von außerhalb Chinas, wenn Ihre Richtlinie das verlangt. Wir nennen Ihnen Preis und Lieferzeit für jede Option, bevor Sie sich entscheiden.

Ein Produktsicherheitslabel wie OEKO-TEX sagt etwas über Schadstoffe aus, nicht über Arbeitsbedingungen oder die Faserherkunft. Welches Zertifikat was belegt.

Was als Nächstes aus der EU kommt

  • Zwangsarbeitsverordnung (EU) 2024/3015. Ab dem 14. Dezember 2027 darf kein in Zwangsarbeit hergestelltes Produkt in der EU verkauft oder aus ihr ausgeführt werden. Anders als das LkSG gilt sie für Unternehmen jeder Größe.
  • Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (CSDDD). Nach der Omnibus-I-Vereinfachung der EU erfasst sie EU-Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und 1,5 Mrd. EUR Nettoumsatz weltweit. Die Mitgliedstaaten müssen sie bis zum 26. Juli 2028 umsetzen und ab dem 26. Juli 2029 anwenden.

Für einen deutschen Importeur unterhalb der LkSG-Schwelle ist die Zwangsarbeitsverordnung diejenige, auf die er sich jetzt vorbereiten sollte. Die Nachweise, die sie verlangen wird, sind dieselben: wer das Produkt hergestellt hat, und woraus.

Eine Checkliste für Ihre nächste Lieferantenprüfung

  • Adresse der Fabrik, Beschäftigtenzahl und Prozesse im eigenen Haus, schriftlich.
  • Einhaltung des Mindestlohns, mit Nachweisen, nicht nur mit einer Erklärung.
  • Die Strickerei und ihr Land für jedes Modell, vor der Bestellung.
  • Nachweise zu Strickerei, Garn und Faserherkunft für jede Stoffpartie.
  • Zugang für Audits, und wie schnell ein Besuch möglich ist.
  • Wer bedruckt oder bestickt, und wo.

Wenn Sie Nepal als Bezugsquelle prüfen, senden Sie uns Ihren Lieferantenfragebogen. Wir beantworten ihn mit Dokumenten, nicht mit Adjektiven.

Häufige Fragen

Gilt das deutsche Lieferkettengesetz für eine Fabrik in Nepal?
Nicht unmittelbar. Das LkSG gilt für Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten in Deutschland. Nach Angaben des BAFA sind Lieferanten außerhalb seines Anwendungsbereichs selbst nicht Adressaten seiner Pflichten oder Bußgelder; die Pflichten erreichen sie über die Sorgfaltsprüfung ihrer deutschen Kunden.
Reicht ein unterschriebener Verhaltenskodex für Lieferanten aus?
Nein. Das BAFA stellt fest, dass es die Sorgfaltspflicht nicht von selbst erfüllt, sich allein auf eine schriftliche Zusicherung zu verlassen; der Einkäufer muss weiterhin Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen durchführen. Verlangen Sie Nachweise wie Lohnunterlagen, Zugang für Audits und eine Lieferantenkarte.
Müssen deutsche Einkäufer auch die Strickerei prüfen?
Die Strickerei ist in der Regel ein mittelbarer Zulieferer. Nach dem LkSG ist eine Risikoanalyse für mittelbare Zulieferer erforderlich, wenn das Unternehmen substantiierte Kenntnis von einer möglichen Verletzung hat. Viele Einkäufer fragen trotzdem vorab nach der Strickerei und ihrem Land, und wir nennen sie pro Modell.
Beeinflusst Stoff aus China den EU-Zollsatz von 0 %?
Nein. Für die am wenigsten entwickelten Länder wendet die EU auf Maschenbekleidung die Regel der einstufigen Verarbeitung an, sodass in Nepal zugeschnittene und genähte Kleidung unabhängig von der Herkunft des Stoffs für 0 % im Rahmen von EBA in Frage kommt. Die Stoffherkunft ist eine Frage der Sorgfaltspflicht, keine Zollfrage.
Was ändert sich 2027?
Ab dem 14. Dezember 2027 gilt die EU-Zwangsarbeitsverordnung: Kein in Zwangsarbeit hergestelltes Produkt darf in der EU verkauft oder aus ihr ausgeführt werden, unabhängig von der Größe des Unternehmens, das es in Verkehr bringt.
SR

Über den Autor

Santosh Rijal leitet Trishakti Apparel, die Exportfabrik für Maschenware, die seine Familie auf drei Jahrzehnten im Modehandel Nepals aufgebaut hat. Er schreibt über Beschaffung, Zoll und Produktion – direkt aus der Produktionshalle in Gaindakot.

Quellen & zuletzt geprüft

Angaben auf dieser Seite geprüft am

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  1. 01 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), as of 23 June 2026: 1,000+ employees in Germany; amending bill in the parliamentary process CSR-in-Deutschland (German Federal Ministry of Labour and Social Affairs) · official · checked 27 Sept 2026
  2. 02 Foreign Trade Statistics FY 2082/83 (mid-July 2025 to mid-July 2026), preliminary: Table 6 exports and Table 4 imports by commodity and partner country. Exports to Italy Rs 1,600.9m, of which garments (HS 61+62) Rs 665.1m (41.5%) and knitwear (HS 61) Rs 469.2m (29.3%); garments to the US Rs 2,846.2m, to Germany Rs 2,786.2m; knitted-fabric imports (HS 60) Rs 13,269m, of which China Rs 11,919m (89.8%) Department of Customs, Government of Nepal · official · checked 29 Sept 2026
  3. 03 Foreign Trade Statistics FY 2081/82 (mid-July 2024 to mid-July 2025), Table 6 exports by commodity and partner country: the base year for FY 2082/83 growth (garments to the US +13.0%, to Germany +15.1%, to Italy +26.6%; knitwear to Italy +36.4%, in rupees) Department of Customs, Government of Nepal · official · checked 29 Sept 2026
  4. 04 Vorlagen zum Lieferkettengesetz debattiert (16 January 2026): government bill 21/2474 drops the reporting duty and limits fines to serious breaches; referred to committee Deutscher Bundestag · official · checked 27 Sept 2026
  5. 05 Commission Delegated Regulation (EU) 2015/2446 – Annex 22-03 (GSP product-specific rules, separate LDC column) EUR-Lex (Official Journal of the EU) · official · checked 24 Sept 2026
  6. 06 Corporate sustainability due diligence (Directive (EU) 2024/1760 as amended by Omnibus I, Directives 2025/794 and 2026/470): EU companies with at least 5,000 employees and EUR 1.5 billion net worldwide turnover; transposition by 26 July 2028, application from 26 July 2029 European Commission · official · checked 29 Sept 2026
  7. 07 Forced Labour Regulation (Regulation (EU) 2024/3015): from 14 December 2027 no product made with forced labour may be sold in or exported from the EU; guidelines and a single portal published European Commission (DG GROW) · official · checked 29 Sept 2026
  8. 08 LkSG Berichtspflicht: BAFA has stopped reviewing company reports under §§ 12 and 13 LkSG Federal Office for Economic Affairs and Export Control (BAFA) · official · checked 27 Sept 2026
  9. 09 Sorgfaltspflichten in der Lieferkette – Häufige Fragen: suppliers outside the scope are not addressees of fines or duties; risk analysis for indirect suppliers on substantiated knowledge (substantiierte Kenntnis); a written assurance alone does not fulfil the duty of care Federal Office for Economic Affairs and Export Control (BAFA) · official · checked 29 Sept 2026
  10. 10 Supply Chain Act (Lieferkettengesetz / LkSG) German Federal Ministry of Labour and Social Affairs (BMAS) · official · checked 24 Sept 2026
  11. 11 Minimum Remuneration Notice 2082 (NPR 19,550 per month from 1 Shrawan 2082 / July 2025) Pradhan & Associates (summary of Nepal Gazette notice) · checked 24 Sept 2026

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